Von Kies auf Sand

Von Kies auf Sand

Ja, nun hat man sich also entschieden und will den Fischen einen wühlgerechten und maulfreundlichen Bodengrund geben. smilie

Ich persönlich kann diesen Entschluss nur Beglückwünschen, habe ich seit der Sandumstellung doch die schönsten Aquarien gehabt.

Die meisten Bodenfische durchwühlen mit sichtlichem Genuß den feinen Sand, meine Pflanzen wachsen gut, der Mulm sackt nicht mehr ein und die Pflege ist für mich daher wesentlich angenehmer geworden.
Kein Gekämpfe mehr mit Mulmglocken *ggg*…
Natürlich hat Sand auch einige Nachteile, so muß man z.B. einen guten Filter haben (die große Oberfläche von Kies fällt ja weg), Mulm bleibt sichtbar oben auf liegen und bei manchen Pflanzen muß man wesentlich gezielter die Wurzeln düngen, sackt ja nichts mehr ein.
Übrigens habe ich nur einmal einen “umgekippten” Sand-Boden gehabt…bei extrem wühlenden L-Welsen.
Die oftmals gehörte Aussage Sand würde immer faulen, kann ich nicht nachvollziehen.

Aber nach all den “soll ich, soll ich nicht”, kommt nun das große ” wie macht man das und was soll ich vermeiden?”
smilie

Es ist gar nicht so schwierig, wenn man nicht gerade zu dem Typ Aquarianer zählt, dem alleine schon ein Wasserwechsel große Überwindung kostet.
Zuerst einmal sollte man alles gründlich Vorbereiten.
Lieber einige Tage mehr abwarten, es eilt ja nicht.
Dafür einen Tag wählen, an dem man Zeit hat, eventuell auch Hilfe (bei Becken ab 80 cm nicht verkehrt).
Ich persönlich habe auch immer einen Werktag bevorzugt, falls doch mal ein Malheur passiert, so kann man schnell einen Laden aufsuchen.

Als erstes sollte man eine Liste aufstellen, die Notwendig ist, um den Umbau zu ermöglichen.

  • Sand (der soll ja schließlich rein…*LOL*)… bei diesem sollte man auf eine gleiche Sieblinie achten und das er nicht scharfkantig ist. Vogelsand eignet sich nicht, da er unter anderem Parfumstoffe und Kalksplitter enthält. Ich habe immer Quick-Mix aus dem Baumarkt genommen. Kostenpunkt ungefähr 6 Euro pro 25 Kilo.
  • Jede Menge Eimer, Behälter, welche dann die Fische und Pflanzen während des Umbaus beherbergen und (alte) Eimer / feste Tüten um den Kies einzufüllen. Sollte man Tüten wählen, so bitte darauf achten, daß sie nicht reißen und keine Löcher haben, ansonsten setzt man schnell etwas unter Wasser, welches man zwangsläufig mit raus nimmt. Hilfreich sind auch kleine Becher
  • eine Kehrschaufel mit Gummirand, um den Großteil des Kieses rauszuschaufeln.
  • Schlauch um Wasser abzusaugen (eventuell einen mit großem Durchlass, falls das Becken mehr als 300 Liter hat, dauert sonst reichlich lange)
  • Kescher zum Fische fangen
  • eventuell ein Stückchen Plane oder eine große Mülltüte, die beim Einfüllen des Wassers hilft, sollte man schon bepflanzt haben oder Steinaufbauten nicht unterspülen wollen..
  • reichlich Handtücher und viel Geduld und Kaffee / Tee….

Zuerst sollte man dann schon im Vorfeld den Sand testen, ob er stark mit Schwebeteilen versetzt ist.
Meist ist ein Waschen nicht nötig. Ich habe immer ein oder zwei Tage vorher in einem Eimer getestet. Eine Portion Sand rein, dann Wasser zu, ordentlich aufgewirbelt und nach einer Stunde geschaut, ob das Wasser relativ klar geworden war. Bisher war dies immer der Fall gewesen.
Sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, dann geht es ans Werk.

Der Boden wird, wenn nötig, abgedeckt und dann werden Eimer und Kescher parat gelegt.
Spätestens jetzt werden wir feststellen, daß uns die Fische argwöhnisch betrachten….
Egal…
Wenn nötig wird die Abdeckung abgenommen, die Heizung ausgeschaltet (im AQ *ggg*) und erst einmal die Eimer mit Aquarienwasser gefüllt.

Bewährt haben sich bei mir immer diese 25 Liter Oscar-Tonnen oder die durchsichtigen Plastikwannen von Ikea.
Man kann beide jeweils platzsparend ineinanderstapeln. Mörtelkübel aus dem Baumarkt gehen ebenfalls, sollten aber vorher sehr gut gewässert werden !

Dann sollte der Filter ab/ ausgebaut werden und an einem der vorbereiteten Wasserbehälter angeschlossen werden. Dies ist sehr wichtig, damit die Filterbakterien keinen Schaden nehmen und später wieder das biologische Gleichgewicht im AQ herstellen. Denn mit dem Kies entfernen wir auch eine Menge der wichtigen Bakterien!

Bitte bei einem Außenfilter darauf achten, das die Schläuche sich nicht verselbständigen können!

Ist der Filter sichergestellt,wird der Heizstab ebenfalls ausgebaut.
Dann kann man vorsichtig versuchen die neugierigsten Fische zu fangen (Guppys etc.).
Verschwinden diese, sobald der Kescher erscheint (was meist der Fall ist smilie), so holt man langsam und behutsam die Pflanzen aus dem AQ und bringt sie in einem Eimer/Wanne unter. Dabei beachten, daß sie immer gänzlich mit Wasser bedeckt sind!
Wer hat, kann Pflanzen auch OHNE Wasser in Tüten packen, gut schließen… dann können sie auch so einige Stunden gelagert werden.
Auch Steine und Wurzeln, die das Einfangen erschweren werden vorsichtig herausgenommen. Für diese kommen bei mir sogar Plastikbecher von Keksen, Kartoffelsalat etc. zum Einsatz. *ggg*

Es macht Sinn schon vor der Pflanzenentfernung einige Eimer Wasser abzulassen. Dies ist dann nicht so stark mit Mulm versetzt, man kann die Pflanzen dort unterbringen.
Beim späteren Fischfang benötigt man eh Wasser für die Behälter in denen man die Fische für die Dauer der Aktion unterbringt und ein niedriger Wasserstand ist vom Vorteil beim Fang der Tiere.
Aber bitte immer darauf achten, das kein Tier angesaugt werden kann, zur Not ein Stück Filtermatte über das Schlauchende im AQ ziehen.
Spätestens jetzt werden die Fische aufgeschreckt durch das Aquarium rasen, immer auf der Flucht. Würden wir versuchen sie im bepflanzten AQ zu fangen, gäbe es meist nur reichlich Frust und vor allem kaputte Pflanzen.

Bei mir hat es sich bewährt die Fische zusammen mit dem Filter und dem Heizer in einem Behälter unterzubringen. Somit ist die Sauerstoffversorgung und auch die Temperatur (dennoch immer wieder kontrollieren!) gewährleistet.
Einige Pflanzen, die man einfach mit reinschmeißt bieten den Tieren dann Schutz!

Manchmal ist es ebenfalls sinnvoll Fischarten zu trennen, damit sie sich in den engeren Behältern nicht zu stark stressen.

Beim Fang sollte darauf geachtet werden, immer ruhig und gelassen zu Werke zu gehen (was leichter gesagt als getan ist… ), hektische, genervte Aktionen können Fische verletzen.
Nicht selten versuchen sie in ihrer Angst sich in den Kies einzugraben, was böse Schleimhautverletzungen nach sich ziehen kann!
Oder man quetscht sie aus Versehen mit dem Kescher.

Zur Not einfach mal den Kescher aus der Hand legen und einen Kaffee/ Tee trinken.kaffee

Welse oder Schmerlen am besten mit einer Tupperdose oder ähnlichem fangen, ihre Augendornen/Odontoden könnten sich ansonsten im Netz verfangen und ernsthafte Verletzungen herbeiführen!

Hilfreich ist es auch mit zwei (großen) Keschern zu arbeiten. Man kann somit die Fische “treiben”….ein niedriger Wasserstand ist vom Vorteil.
Fragt doch einfach mal jemanden, der ebenfalls Geduld hat.
Zu zweit ist es manchmal einfach angenehmer.

Wichtig ist, den Eimer/ die Tonne abzudecken, denn viele Fische springen aus Angst und nicht selten ist in solchen Situationen schon ein Tier unbemerkt verendet. Wurzel etc. müssen genauestens nach heimlichen Passagieren abgesucht werden, sollte man sie außerhalb vom Wasser während des Umbaus lagern. Gerade Welse bleiben oft störrisch an/ in ihnen hängen und man sucht sie verzweifelt im AQ, während sie auf dem Tisch/ Boden verzweifelt nach Wasser suchen…

Hat man alle Fische draußen, so gönnt man sich eine Pause und nutzt diese, um in Ruhe noch mal nach eventuellen Jungfischen zu sehen.
Ich persönlich sammel dann noch gemütlich Schnecken raus, die dann später wieder eingesetzt werden.
Fit (smilie) beginnt man schließlich das restliche Wasser abzulassen. Ich habe immer noch mal absichtlich den obersten Mulm (der sich während der Pause absetzt) in einem Extra-Eimer gefüllt und diesen dann aufbewahrt, also bitte nicht weggießen!!!! Dann den Kies aus dem Becken zu holen.

Achtet dabei darauf, daß Ihr die Scheiben nicht zerkratzt!

Am besten immer aus der Mitte holen und zum Schluß die Kehrschaufel zu Hilfe nehmen……..

Ist das Becken leer, so fühlt man sich je nach Größe des Inhalts (so ab 200 Liter *lach* ) doch etwas angegriffen… aber keine Sorge, das Gröbste ist geschafft.
Ich persönlich fand den Transport des Kieses zum Müll immer am Schlimmsten, wohl dem, der Helfer hat!smilie
Nun kann man noch das Becken etwas säubern und dann kann der Sand rein….

Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, erst einmal etwas Wasser einzulassen und dann den Sand dort raufzuschütten. So bildeten sich nicht allzu viele Lufteinschlüsse.
Beim Einfüllen habe ich einfach eine Plastikplane auf den Sand gelegt und dann das (temperierte) Wasser eingefüllt, WENN ich vorher schon etwas gepflanzt hatte. Hat man einen Hamburger Mattenfilter, so ist es am einfachsten, daß Wasser hinter der Matte einzubringen.
Ist nur der Sand im Aquarium, dann kann der Wasserstrahl das Ganze ruhig durcheinanderwirbeln.

Manchmal erwischt man einen wirklich üblen Sand….lasst Euch nicht entmutigen.
Hier hatte ich dann einfach mehrmals Wasser gewechselt… mit einem Schlauch geht das ja einfach.

Kann man das Wasser nicht gleich der Temperatur aus der Leitung anpassen ( z.B.. Kupfer im Wasser wegen Durchlauferhitzer!), so sollte man etwas kochen und dann im AQ beimischen, ansonsten dürfte es sehr lange dauern, bis ein Stabheizer kaltes Wasser aufgewärmt hat.
Ist das AQ zu ca. 2/3 voll, so kann man Anfangen die Technik wieder einzubauen. Der Filter wird wieder angeschlossen und auch der Heizer kommt an seinen Platz (erst anschließen, wenn man nicht mehr im AQ rumgrabbelt!!!!).
Bitte darauf achten, daß der Heizer nicht heiß ist, sonst könnte er bei eventuellen Temperaturschwankungen platzen!!!

Nun wandern auch wieder Wurzeln, Deko und schließlich die Pflanzen an ihren vorbestimmten Plätzen. Bei letzteren sollten die Wurzeln wenn nötig gestutzt und alte, angegriffenen Blätter entfernt werden.
Die Fische kommen nun auch eine Zeit lang ohne Filter und Heizer aus, aber vergesst nicht das Abdecken des Behälters!

Pflanzen wie Echinodoren etc. sollte ruhig noch eine Düngekugel erhalten, damit sie auch genügend Nährstoffe haben.

Nach der Bepflanzung kommt immer mein Mulmeimer zum Einsatz…..ich schütte diesen einfach in das AQ….je nachdem wie viel altes Wasser ich habe, passe ich natürlich auch das neue Wasser aus der Leitung an (also lieber später etwas nachfüllen, als zuviel frisches Wasser genommen zu haben).

Mein Bestreben ist es immer, soviel altes Wasser wie möglich zu übernehmen, wobei der Mulm wesentlich wichtiger ist.
Das alte Wasser ist für die Schleimhäute der Fische meist angenehmer und durch die eh regelmäßigen Wasserwechsel ist das “alte” Wasser bei mir kaum durch Nitrate etc. belastet.
Nach dem Schmuddelwasser sieht das ganze erst recht trübe aus, aber seit ich das so mache, habe ich noch keinen hohen Nitritpeak gehabt, mehr als 0,05 mg/l NO2 konnte ich nie messen. In 4 von 6 Fällen habe ich keinerlei Nitrit messen können.

Wer dies nicht möchte/kann, der darf auch komplett frisches Wasser nehmen…
Die Technik wird gerichtet (Filterauslass etc.) und solange das Wasser bei dem Fischen noch warm ist, warte ich erst einmal ab, das sich die gröbsten Trübstoffe legen. smilie

Abdeckhaube drauf, es sei denn man wartet damit bis die Fische drinnen sind, weil sonst das Umsetzen nicht klappt.
Mit Licht kann man dann noch einige Korrekturen vornehmen.

Lieber jetzt noch”fummeln” als später, wenn die ohnehin gestressten Tiere wieder im Aquarium sind!

Auch ein Wasserwechsel mit temperierten Wasser bei den Fischen kann gemacht werden, damit sich diese an das (eventuell ungewohnte viele) frische Leitungswasser gewöhnen, und falls dies von den Werten des alten Beckens nun erst einmal abweicht (ph!)

Schließlich kommen die Fische bei ausgeschalteter Beleuchtung wieder ins Aquarium. Gefüttert werden sollte erst gar nicht, die kommenden Tage sehr sparsam, Nitrit sollte 2x täglich kontrolliert werden!

Ich hoffe das Ganze logisch erklärt und nichts Wichtiges vergessen zu haben.
Weitere Tipps und Tricks sind natürlich Willkommen!!

Ajin hat dazu noch einen tollen Bericht zur Verfügung gestellt, er ist hier lesbar:

Wie gestalte ich mein AQ um?

Posted on: 19. Februar 2018Verena

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